
Ständig steigende Öl- und Strompreise waren Ende 2007 der Anlass nicht nur
kleine Veränderungen anzuschauen, sondern ein
Hausenhof-Gesamt-Energie-Konzept zu erarbeiten. Die hohen Kosten (rund
60.000€ für Öl + Gas sowie 25.000€ für Strom) am Hausenhof beinhalten auch
ein großes Einsparpotential. Inzwischen ist das Ende der Ölreserven
bekanntlich absehbar, was zum Umdenken zwingt. Im Zuge der allgemeinen
Klimaschutz-Diskussion wollen auch wir im Rahmen unserer Möglichkeiten einen
Beitrag leisten.
Zielsetzung und Konzept
Vorrangig habe wir
uns als Ziel gesetzt Energiesparmassnahmen und Ressourcenschonung voran zu
treiben. Dabei soll ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden indem wir
auf regenerative Energiequellen aus der Region umstellen. Die
Wirtschaftlichkeit muss gleichzeitig im Auge behalten werden, um die Zukunft
es Hausenhof durch eine sichere Energieversorgung auf kostengünstiger Basis
abzusichern. Die langfristige Versorgungssicherheit soll gewährleistet
werden einschließlich der Planungen für ältere Menschen am Hausenhof.
Bestandsanalyse
Vor
der Erarbeitung von neuen Lösungen haben wir eine umfassende Bestandsanalyse
gemacht. Wir haben fast 10 Jahre Verbrauchsdaten der verschiedenen Häuser
und Werkstätten für Öl, Gas und Strom ausgewertet, die bereits zur Verfügung
standen.
Die
Energieeffizienz zeigt sich bei den neueren Häusern deutlich besser als bei
den älteren. Hohe Energieverluste zeigten sich bei der Dampfanlage in der
WfbM.
Wir haben mit einer
Wärmebildkamera Gebäudefassaden analysiert. Man kann dort deutlich
Schwachstellen in Dämmung erkennen.

Besonders
beim Haus Jaspis ist ein Sanierungsbedarf, der mit dem Denkmalschutz
abgesprochen werden muß.
Wir haben die Hausenhof Energiebilanz berechnet. Bis zum Jahre 2001 wurden noch keine
regenerativen Energiequellen eingesetzt. Allmählich stieg der regenerative Anteil durch
einige Holzöfen in Häusern, Gärtnereihaus und Werkstätten in der Schafscheune,
die Photovoltaik-Anlage auf dem Kuhstall sowie Sonnenkollektoren auf dem Turmalin bis
Anfang 2008 ein Anteil von 7% der Energieversorgung aus Sonne + Holz erreicht war.
Planung und Beratung
Zur weiteren Beratung haben wir einige Fachberater und spezielle Ingenieurbüros hinzugezogen. Wir konnten durch die effiziente Beratung schnell einige Varianten verwerfen, die am Hausenhof im Sinne der Zielsetzung nicht sinnvoll sind: Für eine Biogas-Anlage ist unsere Landwirtschaft zu klein, für Geothermie müssten wir zu tief bohren, Wärmepumpen-Technik überzeugt uns nicht von der Energiebilanz, für ein Blockheizkraftwerk fehlt ein sinnvoller Treibstoff und Warmwasser-Sonnenkollektoren sind erst sehr langfristig rentabel. Ausführlich mit verschiedenen Fachberatern diskutiert haben wir das Heizkonzept eines Biomasse-Hackschnitzel-Heizwerkes für den Hausenhof. Es zeigte sich, dass eine maßgeschneiderte Aufteilung weniger als die Hälfte der Investitionskosten braucht gegenüber einem Standard-Heizwerk.
Energieprojekte in der Realisierung
Auf Grund der fundierten Ausarbeitungen und tatkräftigen Energiegruppe konnten wir bereits umgehend
einige Massnahmen beschliessen und beginnen zu realisieren.
Wärmedämmung
Im Zuge des Ausbaues im Haus Beryll haben wir aufwendige Wärmedämm- Massnahmen
geplant. In anderen Häusern werden einige Fenster durch Wärmeschutzglas
ersetzt und Heizkörpernischen geschlossen. Im Haus Jaspis ist zunächst eine
Trockenlegung am Fundament und nachfolgende Wärmdämmung geplant.
Heizung und Warmwasser
Wir konnten bereits im Mai 2008 ein Nahwärmenetz verlegen, mit dem die Häuser Jaspis+Turmalin sowie
Hyazinth + Chrysolith + Saphir mit Heizungsleitungen verbunden werden.
Dies
dient der Vorbereitung zur Umstellung auf neue Heizöfen.
In dem Zuge wurden auch eine Brunnenwasserleitung verlegt, damit auch Beryll und die Landwirtschaft wie die anderen
Häuser diese kostenlose Wasserversorgung erhalten.
Für die energieintensivsten Häuser Jaspis+Turmalin konnten wir im Haus Turmalin
ein Holz-Hackschnitzellager und eine moderne Heizung installieren, die bereits im
November 2008 in Betrieb ging.
Im Haus Beryll ging Dez. 2008 eine Holzscheitheizung für die Versorgung
dieses Gebäudes in Betrieb. Die manuelle Beschickung kann hier gut im Rahmen
der Landwirtschaft mit Hilfe von Dörflern erfolgen.
Für
die zukunftssichere Versorgung des restlichen Dorfes einschliesslich Haus für ältere Menschen und
Förderstätte planen wir für Ende 2009 ein Hackschnitzel-Heizwerk, das unauffällig hinter dem
Topas-Parkplatz in der Erde versenkt werden kann. Zur Zeit sind die Fördermittel dafür sehr gut.
Die Stückholzversorgung kann aus eigenen Kräften mit Dörflern aus dem Wald in der Nähe geleistet werden.
Die nutzbaren Holzkapazitäten in der Region sind noch nicht ausgereizt und der Nachwuchs ist nachhaltig
gesichert. Natürlich steigt auch der Holzpreis, aber sicher nicht mehr als der Ölpreis, für den mit
Anziehen der Konjunktur wieder eine Preisexplosion zu erwarten ist.
Stromsparen, -Versorgung und Photovoltaik
Es sind schon viele Glühbirnen ersetzt worden durch Energiesparlampen, die wir in allen Gebäuden einsetzen wollen.
Wir achten bei Neuanschaffungen darauf energiesparsame Geräte einzusetzen. Im Zuge der Vertragserneuerung haben wir im
Haus Amethyst als auch am Hausenhof-Dorfgelände praktisch ohne Mehrkosten auf 100% regenerativen
Ökostrom umgestellt.
Wir haben bereits seit 2005 Erfahrung mit unserer Photovoltaikanlage auf dem Kuhstall (16,8 kWp). Der Ertrag von
18.500 kWh pro Jahr liegt um mehr als 20% über unserer Prognose. Nach dieser positiven Erfahrung, die dem
Hausenhof mehr als 20 Jahre gute Erlöse bringen wird, haben wir die aktuelle Marktlage geprüft. Wir haben
sorgfältig alle Dächer am Hausenhof auf ihre Eignung geprüft. Damit sind wir auf eine wirtschaftlich sinnvoll
zu installierende Leistung von 145 kWp auf 14 Dächern mit fast 1.300 qm Photovoltaik-Modulfläche gekommen.
Damit können wir insgesamt ca. soviel Strom erzeugen im Jahr wie der Hausenhof verbraucht. In einer
gemeinsamen Kraftanstrengung ist es Anfang 2008 in kürzester Zeit gelungen diese Anlagen erfolgreich zu installieren.
Sehr vorteilhaft war die Kombination der verschiedenen Installationen, die gleichzeitig verlegt werden konnten: Brunnenwasserleitungen,
mehrere Telefonkabel, Abwasserrohr, verschiedene Datenleitungen, Heizungsleitungen und Leerrohre für die Zukunft. Juni
2008 sind die
neuen Photovoltaikanlagen ans Netz gegangen.
In 20 Jahren sollen damit dem Hausenhof ca. ½ Mio.€ frei verfügbarer Gewinn zufliessen. Hoffen wir auf viel Sonnenschein !
Prozesswärme für Käserei und Wäscherei
Nach ausführlicher Analyse und Diskussionen konnten wir klären, dass es als Ersatz für die Dampfanlage ökonomischer und
ökologischer ist, die Wärmeerzeugung für den Käsekessel an die Heizung anzuschliessen und die Wäschereimaschinen
auf Strom umzustellen. Im dem Zuge haben wir auch eine
Spitzenlastabschalt-Regelung installiert, die zu hohe Leistungsspitzen
im Hausenhof-Stromverbrauch verhindert. Die nötigen Investitionen dafür
werden sich in wenigen Jahren amortisieren. Im Sommer 2008 haben wir
diese Umstellung erfolgreich vollzogen.
Stand Juni 2009