Energiekonzept zur Zukunftssicherung

der Camphill Dorfgemeinschaft Hausenhof

Motivation und Entstehungsgeschichte

Ständig steigende Öl- und Strompreise waren Ende 2007 der Anlass nicht nur kleine Veränderungen anzuschauen, sondern ein Hausenhof-Gesamt-Energie-Konzept zu erarbeiten. Die hohen Kosten (rund 60.000€ für Öl + Gas sowie 25.000€ für Strom) am Hausenhof beinhalten auch ein großes Einsparpotential. Inzwischen ist das Ende der Ölreserven bekanntlich absehbar, was zum Umdenken zwingt. Im Zuge der allgemeinen Klimaschutz-Diskussion wollen auch wir im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Beitrag leisten.
Anfang 2008 hat die Leitungskonferenz 5 Menschen (Dr. Konstantin Josek, Thorsten Kiefel, Alfredo Peralta, Thore Stolt und Bernd Thies), die sich mit ihren Qualifikationen sehr gut ergänzen, ein Mandat erteilt :        Die "Energie Gruppe" war ins Leben gerufen

 

Zielsetzung und Konzept

Vorrangig habe wir uns als Ziel gesetzt Energiesparmassnahmen und Ressourcenschonung voran zu treiben. Dabei soll ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden indem wir auf regenerative Energiequellen aus der Region umstellen. Die Wirtschaftlichkeit muss gleichzeitig im Auge behalten werden, um die Zukunft es Hausenhof durch eine sichere Energieversorgung auf kostengünstiger Basis abzusichern. Die langfristige Versorgungssicherheit soll gewährleistet werden einschließlich der Planungen für ältere Menschen am Hausenhof.

 

Bestandsanalyse

Vor der Erarbeitung von neuen Lösungen haben wir eine umfassende Bestandsanalyse gemacht. Wir haben fast 10 Jahre Verbrauchsdaten der verschiedenen Häuser und Werkstätten für Öl, Gas und Strom ausgewertet, die bereits zur Verfügung standen.
Die Energieeffizienz zeigt sich bei den neueren Häusern deutlich besser als bei den älteren. Hohe Energieverluste zeigten sich bei der Dampfanlage in der WfbM.
Wir haben mit einer Wärmebildkamera Gebäudefassaden analysiert. Man kann dort deutlich Schwachstellen in Dämmung erkennen.
                    

Besonders beim Haus Jaspis ist ein Sanierungsbedarf, der mit dem Denkmalschutz abgesprochen werden muß.
Wir haben die Hausenhof Energiebilanz berechnet. Bis zum Jahre 2001 wurden noch keine regenerativen Energiequellen eingesetzt. Allmählich stieg der regenerative Anteil durch einige Holzöfen in Häusern, Gärtnereihaus und Werkstätten in der Schafscheune, die Photovoltaik-Anlage auf dem Kuhstall sowie Sonnenkollektoren auf dem Turmalin bis Anfang 2008 ein Anteil von 7% der Energieversorgung aus Sonne + Holz erreicht war.

 

Planung und Beratung

Zur weiteren Beratung haben wir einige Fachberater und spezielle Ingenieurbüros hinzugezogen. Wir konnten durch die effiziente Beratung schnell einige Varianten verwerfen, die am Hausenhof im Sinne der Zielsetzung nicht sinnvoll sind: Für eine Biogas-Anlage ist unsere Landwirtschaft zu klein, für Geothermie müssten wir zu tief bohren, Wärmepumpen-Technik überzeugt uns nicht von der Energiebilanz, für ein Blockheizkraftwerk fehlt ein sinnvoller Treibstoff und Warmwasser-Sonnenkollektoren sind erst sehr langfristig rentabel. Ausführlich mit verschiedenen Fachberatern diskutiert haben wir das Heizkonzept eines Biomasse-Hackschnitzel-Heizwerkes für den Hausenhof. Es zeigte sich, dass eine maßgeschneiderte Aufteilung weniger als die Hälfte der Investitionskosten braucht gegenüber einem Standard-Heizwerk.

 

Energieprojekte in der Realisierung

Auf Grund der fundierten Ausarbeitungen und tatkräftigen Energiegruppe konnten wir bereits umgehend einige Massnahmen beschliessen und beginnen zu realisieren.

Wärmedämmung
Im Zuge des Ausbaues im Haus Beryll haben wir aufwendige Wärmedämm- Massnahmen geplant. In anderen Häusern werden einige Fenster durch Wärmeschutzglas ersetzt und Heizkörpernischen geschlossen. Im Haus Jaspis ist zunächst eine Trockenlegung am Fundament und nachfolgende Wärmdämmung geplant.

Heizung und Warmwasser
Wir konnten bereits im Mai 2008 ein Nahwärmenetz verlegen, mit dem die Häuser Jaspis+Turmalin sowie Hyazinth + Chrysolith + Saphir mit Heizungsleitungen verbunden werden. Dies dient der Vorbereitung zur Umstellung auf neue Heizöfen. In dem Zuge wurden auch eine Brunnenwasserleitung verlegt, damit auch Beryll und die Landwirtschaft wie die anderen Häuser diese kostenlose Wasserversorgung erhalten.
Für die energieintensivsten Häuser Jaspis+Turmalin konnten wir im Haus Turmalin ein Holz-Hackschnitzellager und eine moderne Heizung installieren, die bereits im November 2008 in Betrieb ging.
Im Haus Beryll ging Dez. 2008 eine Holzscheitheizung für die Versorgung dieses Gebäudes in Betrieb. Die manuelle Beschickung kann hier gut im Rahmen der Landwirtschaft mit Hilfe von Dörflern erfolgen.
Für die zukunftssichere Versorgung des restlichen Dorfes einschliesslich Haus für ältere Menschen und Förderstätte planen wir für Ende 2009 ein Hackschnitzel-Heizwerk, das unauffällig hinter dem Topas-Parkplatz in der Erde versenkt werden kann. Zur Zeit sind die Fördermittel dafür sehr gut.
Die Stückholzversorgung kann aus eigenen Kräften mit Dörflern aus dem Wald in der Nähe geleistet werden. Die nutzbaren Holzkapazitäten in der Region sind noch nicht ausgereizt und der Nachwuchs ist nachhaltig gesichert. Natürlich steigt auch der Holzpreis, aber sicher nicht mehr als der Ölpreis, für den mit Anziehen der Konjunktur wieder eine Preisexplosion zu erwarten ist.


Stromsparen, -Versorgung und Photovoltaik

Es sind schon viele Glühbirnen ersetzt worden durch Energiesparlampen, die wir in allen Gebäuden einsetzen wollen.

Wir achten bei Neuanschaffungen darauf energiesparsame Geräte einzusetzen. Im Zuge der Vertragserneuerung haben wir im Haus Amethyst als auch am Hausenhof-Dorfgelände praktisch ohne Mehrkosten auf 100% regenerativen Ökostrom umgestellt.

Wir haben bereits seit 2005 Erfahrung mit unserer Photovoltaikanlage auf dem Kuhstall (16,8 kWp). Der Ertrag von 18.500 kWh pro Jahr liegt um mehr als 20% über unserer Prognose. Nach dieser positiven Erfahrung, die dem Hausenhof mehr als 20 Jahre gute Erlöse bringen wird, haben wir die aktuelle Marktlage geprüft. Wir haben sorgfältig alle Dächer am Hausenhof auf ihre Eignung geprüft. Damit sind wir auf eine wirtschaftlich sinnvoll zu installierende Leistung von 145 kWp auf 14 Dächern mit fast 1.300 qm Photovoltaik-Modulfläche gekommen. Damit können wir insgesamt ca. soviel Strom erzeugen im Jahr wie der Hausenhof verbraucht. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung ist es Anfang 2008 in kürzester Zeit gelungen diese Anlagen erfolgreich zu installieren.
                   
Sehr vorteilhaft war die Kombination der verschiedenen Installationen, die gleichzeitig verlegt werden konnten: Brunnenwasserleitungen, mehrere Telefonkabel, Abwasserrohr, verschiedene Datenleitungen, Heizungsleitungen und Leerrohre für die Zukunft. Juni 2008 sind die neuen Photovoltaikanlagen ans Netz gegangen. In 20 Jahren sollen damit dem Hausenhof ca. ½ Mio.€ frei verfügbarer Gewinn zufliessen. Hoffen wir auf viel Sonnenschein !

 


Prozesswärme für Käserei und Wäscherei

Nach ausführlicher Analyse und Diskussionen konnten wir klären, dass es als Ersatz für die Dampfanlage ökonomischer und ökologischer ist, die Wärmeerzeugung für den Käsekessel an die Heizung anzuschliessen und die Wäschereimaschinen auf Strom umzustellen. Im dem Zuge haben wir auch eine Spitzenlastabschalt-Regelung installiert, die zu hohe Leistungsspitzen im Hausenhof-Stromverbrauch verhindert. Die nötigen Investitionen dafür werden sich in wenigen Jahren amortisieren. Im Sommer 2008 haben wir diese Umstellung erfolgreich vollzogen.


Stand Juni 2009