Am Hausenhof ist die Energiewende geschafft
Energiekonzept zur Zukunftssicherung

der Camphill Dorfgemeinschaft Hausenhof

Motivation und Entstehungsgeschichte

Ständig steigende Öl- und Strompreise waren Ende 2007 der Anlass nicht nur kleine Veränderungen anzuschauen, sondern ein Hausenhof-Gesamt-Energie-Konzept zu erarbeiten. Die hohen Kosten (damals rund 60.000€ für Öl + Gas sowie 25.000€ für Strom) am Hausenhof beinhalteten auch ein großes Einsparpotential. Inzwischen ist das Ende der Ölreserven bekanntlich absehbar, was zum Umdenken zwingt.
Anfang 2008 hatte die Mitarbeiter-Konferenz Leitlinien beschlossen - Zitat daraus:
"Ziel ist es am Hausenhof einen Beitrag zu leisten um der globalen Klimaerwärmung Einhalt zu gebieten, zur Ressourcenschonung und zum Umweltschutz, um auch für zukünftige Generationen gute Lebensbedingungen zu erhalten. Deshalb wird angestrebt durch ein zukunftsweisendes Energiekonzept bei guten Wohn- und Arbeitsbedingungen, vorrangig durch Energiesparmassnahmen langfristig möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen und den verbleibenden Bedarf durch regenerative Energiequellen abzudecken. Langfristiges Ziel ist die Erzeugung der am Hausenhof benötigten Wärme und Strom aus regenerativen Energiequellen aus der Region."



Unser erstes Elektroauto fährt 100% regenerativ mit Öko-Strom, drei weitere sind bereits bestellt

Zielsetzung und Konzept

Vorrangig hatten wir uns als Ziel gesetzt Energiesparmassnahmen und Ressourcenschonung voran zu treiben. Dabei soll ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden indem wir auf regenerative Energiequellen aus der Region umstellen. Die Wirtschaftlichkeit muss gleichzeitig im Auge behalten werden, um die Zukunft es Hausenhof durch eine sichere Energieversorgung langfristige auf kostengünstiger Basis abzusichern.

Bestandsanalyse

Vor der Erarbeitung von neuen Lösungen hatten wir eine umfassende Bestandsanalyse gemacht. Wir hatten fast 10 Jahre Verbrauchsdaten der verschiedenen Häuser und Werkstätten für Öl, Gas und Strom ausgewertet, die bereits zur Verfügung standen.
Die Energieeffizienz zeigt sich bei den neueren Häusern deutlich besser als bei den älteren. Hohe Energieverluste zeigten sich bei der Dampfanlage in der WfbM.
Wir haben mit einer Wärmebildkamera Gebäudefassaden analysiert. Man kann dort deutlich Schwachstellen in Dämmung erkennen. 
                    

Besonders beim Haus Jaspis ist Sanierungsbedarf, der mit dem Denkmalschutz abgesprochen wurde.
Wir haben die Hausenhof Energiebilanz berechnet. Bis zum Jahre 2001 wurden noch keine regenerativen Energiequellen eingesetzt. Allmählich stieg der regenerative Anteil durch einige Holzöfen in Häusern, Gärtnereihaus und Werkstätten in der Schafscheune, die Photovoltaik-Anlage auf dem Kuhstall sowie Sonnenkollektoren auf dem Turmalin bis Anfang 2008 ein Anteil von 7% der Energieversorgung aus Sonne + Holz erreicht war. Seit Fertigstellung der 2.Hackschnitzelanlage in Kombination mit den PV-Anlagen sowie Ökostrom-Zukauf sind es mehr als 100% regenerative Energieversorgung am Hausenhof !
Allmählich soll auch der Fuhrpark umgestellt werden. In 2016 waren 3 PKW auf Autogas umgestellt worden, was umweltfreundlicher ist als Benzin. Durch Sponsoren wurde 2017 das erste Elektroauto finanziert, das mit unserem Solarstrom getankt wird.

Planung und Beratung

Zur weiteren Beratung haben wir einige Fachberater und spezielle Ingenieurbüros hinzugezogen. Wir konnten durch die effiziente Beratung schnell einige Varianten verwerfen, die am Hausenhof im Sinne der Zielsetzung nicht sinnvoll sind: Für eine Biogas-Anlage ist unsere Landwirtschaft zu klein, für Geothermie müssten wir zu tief bohren, Wärmepumpen-Technik überzeugt uns nicht von der Energiebilanz, für ein Blockheizkraftwerk fehlt ein sinnvoller Treibstoff und Warmwasser-Sonnenkollektoren sind erst sehr langfristig rentabel. Ausführlich mit verschiedenen Fachberatern diskutiert haben wir das Heizkonzept eines Biomasse-Hackschnitzel-Heizwerkes für den Hausenhof.

Energieverlauf am Hausenof

Energiegewinnung, Nutzung und Energieeinspeisung am Hausenhof

Realisierte Energieprojekte


Wärmedämmung
Im Zuge des Ausbaues im Haus Beryll hatten wir aufwendige Wärmedämm- Massnahmen durchgeführt. In anderen Häusern wurden fortlaufend Fenster durch Wärmeschutzglas ersetzt und Heizkörpernischen geschlossen. Im Haus Jaspis ist zunächst eine Trockenlegung am Fundament und nachfolgende Wärmdämmung geplant.
In 2016 wurde unser Haus Karneol in KfW-40 (entspricht Passivhaus) gebaut und durch die PV-Anlage auf seinem Dach ist es praktisch ein Null-Energiehaus.Das ist der neue Hausenhof-Standard für Neubauten!

Energiebilanzf am Hausenof

Woher wir unsere Energie gewinnen für Heizung, Warmwasser, Strom und Kfz

Heizung und Warmwasser

Wir konnten bereits im Mai 2008 ein Nahwärmenetz verlegen, mit dem fast alle Gebäude sowie das Gewächshaus mit Heizungsleitungen verbunden wurden. In dem Zuge wurden auch eine Brunnenwasserleitung verlegt, damit auch Beryll und die Landwirtschaft wie die anderen Häuser diese kostenlose Wasserversorgung erhalten.
Im Haus Beryll ging Dez. 2008 eine Holzscheitheizung für die Versorgung dieses Gebäudes in Betrieb. Die manuelle Beschickung kann hier gut im Rahmen der Landwirtschaft mit Hilfe von Bewohnern erfolgen.
Für die zukunftssichere Versorgung des restlichen Dorfes wurde Ende 2009 ein Hackschnitzel-Heizwerk gebaut, das unauffällig hinter dem Topas-Parkplatz in der Erde versenkt werden konnte. Es gab gute Fördermittel dafür.
Die Stückholzversorgung kann aus eigenen Kräften aus dem Wald in der Nähe geleistet werden. Die nutzbaren Holzkapazitäten in der Region sind noch nicht ausgereizt und der Nachwuchs ist nachhaltig gesichert. Natürlich steigt auch der Holzpreis, aber sicher nicht mehr als der Ölpreis, für den mit Anziehen der Konjunktur wieder eine Preisexplosion zu erwarten ist.


Stromsparen, -Versorgung und Photovoltaik

Es wurden zuerst Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt,  die inzwischen meist auf die modernste LED-Technik umgestellt wurden, die wir in allen Gebäuden einsetzen wollen.

Wir achten bei Neuanschaffungen darauf energiesparsame Geräte einzusetzen. Im Zuge der Vertragserneuerung hatten wir im Haus Amethyst als auch am Hausenhof-Dorfgelände praktisch ohne Mehrkosten auf 100% regenerativen Ökostrom umgestellt.

Wir haben bereits seit 2005 Erfahrung mit unserer Photovoltaikanlage auf dem Kuhstall (16,8 kWp). Der Ertrag von 18.500 kWh pro Jahr lag um mehr als 20% über unserer Prognose. Nach dieser positiven Erfahrung, die dem Hausenhof mehr als 20 Jahre gute Erlöse bringen wird, hatten wir sorgfältig alle Dächer am Hausenhof auf ihre Eignung geprüft. Damit sind wir zunächst auf eine wirtschaftlich sinnvoll zu installierende Leistung von 145 kWp auf 14 Dächern mit fast 1.300 qm Photovoltaik-Modulfläche gekommen. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung ist es Anfang 2008 in kürzester Zeit gelungen diese Anlagen erfolgreich zu installieren.
In den Folgejahren kamen weitere Anlagen dazu, z.T. mit Eigenverbrauch, in 2016 waren es bereits 292 kWp, so daß wir trotz Vergrößerung der Dorfgemeinschaft so viel Strom produzieren wie wir verbrauchen!
                   
Sehr vorteilhaft war die Kombination der verschiedenen Installationen, die gleichzeitig verlegt werden konnten: Brunnenwasserleitungen, mehrere Telefonkabel, Abwasserrohr, verschiedene Datenleitungen, Heizungsleitungen und Leerrohre für die Zukunft. 2008, 2011 und 2014 sind neue Photovoltaikanlagen ans Netz gegangen. In 20 Jahren sollen damit dem Hausenhof ca. ½ Mio.€ frei verfügbarer Gewinn zufliessen. Hoffen wir also auf viel Sonnenschein !

 


Prozesswärme für Käserei und Wäscherei - Strom-Spitzenlastregelung und Elektro-Fuhrpark

Nach ausführlicher Analyse und Diskussionen konnten wir klären, dass es als Ersatz für die Dampfanlage ökonomischer und ökologischer ist, die Wärmeerzeugung für den Käsekessel an die Heizung anzuschliessen und die Wäschereimaschinen auf Strom umzustellen. Im dem Zuge haben wir auch eine Spitzenlastabschalt-Regelung installiert, die zu hohe Leistungsspitzen im Hausenhof-Stromverbrauch verhindert. Die nötigen Investitionen dafür werden sich in wenigen Jahren amortisieren. Im Sommer 2008 hatten wir diese Umstellung erfolgreich vollzogen.

Diese Spitzenlast-Regelung kann auch für die geplanten zahlreiche KfZ-Elektroladestationen genutzt werden, um Spitzenlasten abzufangen. Schließlich soll auch der Fuhrpark allmählich auf saubere regenerative Energie umgestellt werden.

Diese Seite wurde zuletzt am 29. August 2018 aktualisiert.